CHR 09 2018

Die Chronik (01)
An dieser Stelle soll, wie bereits schon in unserem Vereinsblatt praktiziert, in loser Abfolge die Chronik des Eigenheim- und Grundbesitzer Rudow e. V. veröffentlicht werden. Hier nun Teil 1.
Wie alles begann.

Die Landgemeinde Rudow war eine der 59 Landgemeinden, die sich am 1. Oktober 1920 zur neuen Stadtgemeinde Berlin zusammenschlossen. Rudow war am 31. März 1920 1440 ha groß und zählte am 8. Oktober 1919 1447 Einwohner, sodass etwa ein Einwohner auf 1 ha = 10.000 m² Land kam. Rudow wurde damals entsprechend dem Gesetz von Groß-Berlin dem 14. Verwaltungsbezirk Neukölln zugeteilt.

Die eigentliche Siedlertätigkeit setzte in Rudow nach dem 1. Weltkrieg ein. Die »Terrain-Gesellschaft am >Teltow-Canal-Rudow-Johannisthal AG<, die das Rudower Gut erworben und parzelliert hatte, bot Grundstücke zum Kauf an. Kaufpreis 1930 in der Straße 129 (heute Uhrmacherweg) 3,50 Goldmark für den m² - 1 Goldmark zu 1/2790 Kilogramm Feingold gerechnet. Auch einige Bauern parzellierten und verkauften ihre Äcker. Die Firma Karl Meyer & Co verkaufte 1928 die Parzelle 106 (jetzt Großenhainer Weg) für einen Preis von 2,00 Goldmark für den m² - 1 Goldmark zu 1/2790 Kilogramm Feingold gerechnet
Die ersten Siedler wünschten sich einen Zusammenschluss zu einer Siedlergemeinschaft.
Der Kaufpreis wurde mit Goldmark (GM), die Gebühren für die Kaufverträge mit Rentenmark (RM) bezahlt. Einer der ersten Siedler war der Stadtamtmann Heinrich Albeck, der am heutigen Mohnweg eine Parzelle erwarb. Als sich nach und nach immer mehr Siedler einfanden, wurde der Wunsch nach einem Zusammenschluss der Siedler in einer Siedlergemeinschaft stärker. Besonders Rudolf Schadebach bemühte sich darum. Erstens um die Neusiedler zu unterstützen und zweitens um allgemeine Ortsverbesserungen herbeizuführen. Dazu muß man wissen, daß Rudow zu dieser Zeit nur ca. 3.000 Einwohner hatte, die zwischen Kappenstraße, Prierosser Straße (früher Bendastraße), Köpenicker Straße, Alt-Rudow (früher Neuköllner Straße) und dem Bahnhof Rudow wohnten. Aber außer den Chausseen nach Waltersdorf, Groß-Ziethen, Adlershof und Buckow waren die Kanalstraße, die Krokusstraße (früher Bismarkstraße), und die Prierosser Straße (früher Bendastraße) die einzigen befestigten Straßen. Die Köpenicker Straße, die in die Chaussee nach Adlershof-Köpenick mündete, war von der Straße Alt-Rudow nur bis zum Friedhof gepflastert.
Am 8. Mai 1921 fand im Lokal »Rupperts Vereinshaus«, Inhaber Karl Garnitz, Neuköllner Straße 257 (heute Alt-Rudow) eine Versammlung statt, zu der 25-30 Siedler erschienen und auf der der »Siedlerverein Neu-Rudow« e.V. gegründet wurde. Unter den Erschienenen waren die Herren Rudolf Schadebach, Heinrich Albeck, Ruppert, Zellmann, Conrad, Müller, Nowigk, Speck, Emil Wutzky, Lehmann, Paul Herzig, Schulze, Ferdinand Czerwinski und Well. Die Versammlung wählte als 1. Vorsitzenden Rudolf Schadebach, als 1. Schriftführer Heinrich Albeck und als 1. Kassierer Herrn Ruppert. Ferner wurden in den Vorstand gewählt die Herren Zöllmann, Stadtrat Conrad und Schulz, bekannt als »Brunnenschulze«.
Der Verein war noch klein, aber seine Aufgaben waren groß. Rudow war ja nach dem 1. Weltkrieg noch ein Dorf im Kreis Teltow und gehörte zum Amtsbezirk Adlershof. Die Einheitsgemeinde Groß-Berlin war erst im Oktober 1920 gebildet worden.
Als Verkehrsverbindung von Berlin nach Rudow gab es ab 1. Oktober 1913 die Straßenbahnlinie 47, die aber vom Krankenhaus Neukölln ab nur einspurig und einmal stündlich verkehrte.
Die erste Straßenbahn fuhr um 7 Uhr früh und um Mitternacht kam man nur noch bis zur Juliusstraße in Neukölln, dann fuhr die Bahn ins Depot in der Kanner Straße in Neukölln. Wer also nachts nach Hause kam, mußte zu Fuß und im Dunkeln nach Rudow, denn eine Straßenlaterne gab es nur am Krankenhaus Neukölln und an der Johannisthaler Chaussee.
Herr Schadebach bemühte sich, bei den Betreibern der Straßenbahnlinie um eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zu erreichen.
Der erste Erfolg war die Einführung des halbstündigen Verkehrs. Es dauerte jedoch noch Jahre, bis auf immer neue Anträge des Vorstandes die Strecke zweigleisig ausgebaut und der viertelstündliche Verkehr erreicht wurde. Der zweigleisige Verkehr erfolgte erst bis »Stübert«, also bis zur Ecke Fritz-Erler-Allee. Dort entstand eine Ausweichstelle, wo die Straßenbahn aus Berlin wartete, wenn die Straßenbahn auf der eingleisigen Strecke aus Rudow entgegenkam.
Aber vor 50 Jahren war die Strecke schon bis zur „Rudower Spinne“ ausgebaut. Natürlich hatte auch die immer stärkere Besiedlung der Außen­bezirke die Verbesserung der Verkehrsverhältnis­se beeinflusst, aber die Initiative lag immer beim Verein.
 
Ins Vereinsheft übertragen von Dieter Rentz

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Chr 10 2018  - Fortsetzung der Chronik - 2. Folge

Straßenschilder wurden in Eigenregie angefertigt und an die Zäune der Parzellen genagelt.
Inzwischen wurde die Werbung neuer Mitglieder betrieben. Da die Wege in den Siedlungsgebieten nach der Inbetriebnahme nummeriert wurden, also keine Namen hatten (nur die Straßen in den Siedlungsgebieten hatten  keine Namen, im alten Rudow gab es schon Namen!) und auch die Post Schwierigkeiten bei der Zustellung hatte, wurden vom Verein Straßennamen ausgedacht, die auf Bretter in der Größe 0,50 x 0,50 m aufgemalt und an die Eckpfeiler der Siedlerzäune genagelt wurden.
Diese Namen wurden später von der Behörde übernommen und bestehen noch heute.
Die Beschaffung derartiger Straßenschilder wäre heute keine Schwierigkeit; damals aber war es schon vom Geld her gesehen ein großes Problem. Die Firma Herzig (damals nur ein Holzplatz) lieferte Holz zum Vorzugspreis und Tischler und Maler aus der Siedlung übernahmen gegen geringes Entgelt die weitere Bearbeitung. Dann wurde eine Obstbaumspritze angeschafft, die leihweise den Mitgliedern zur Verfügung gestellt wurde. Kunstdünger wurde vom Verein gekauft und von den Rieselfeldern wurde die Anfuhr von Schlick organisiert.
Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg fehlte es ja an allem. Da es in Rudow noch keine Baumate­rialienhandlungen gab, müsste man sich die Baustoffe mit dem Handwagen aus Britz oder Neukölln heranholen. Das alte Dorf Rudow hatte zwar Strom, aber es fehlten die Anschlussleitungen. In den Siedlungshäusern brannten Petroleumlampen.
Selbst die Neuköllner Straße hatte zwischen dem Krankenhaus Neukölln und Alt-Rudow keinen Strom. Da kamen dann Verhandlungen mit der Mannesmann-Gesellschaft in Gang, die bereit war, den Siedlern Freileitungen zu legen, für die sie ungefähr 300,00 RM bezahlen und monatlich mit Restgeldverzinsung tilgen sollten.
Der Verein lehnte dieses Ansinnen ab und verlangte von der Stadt die Elektrifizierung, was dann auch erreicht wurde. Ferner forderte der Verein Hydranten in den Straßen und eine Berufs-Feuerwehr mit den erforderlichen Geräten.
Durch diese Erfolge und dank der eifrigen Werbung wuchs der Verein zusehends.
Das erste Stiftungsfest fand 1922 mit 50 Gästen im "Gasthaus zum kühlen Grunde" statt
Nach einem Jahr des Bestehens, im Jahre 1922, fand im „Gasthaus zum kühlen Grunde“ (Ruppert) das erste Stiftungsfest statt, an dem etwa 50 Personen teilnahmen. Dieses Stiftungsfest lebte in der Erinnerung der Teilnehmer als ein sehr harmonisches und gemütliches Fest mit Musik und Tanz weiter.
Es gab schon damals eine Gruppe von »Freien Siedlern«, die eine Splitterorganisation bildeten und dem Verein durch Störung der Versamm­lungen und Verteilung von Propagandazetteln der KPD zu schaffen machten. Der Verein fasste daher den Beschluss, daß jede Parteipolitik bei den Sitzungen verboten sei. Dieser Beschluss wurde in Abständen erneuert und gilt auch heute noch.
Im Jahre 1923 legten der Kollege Schadebach sowie der Kassierer und der 2. Vorsitzende ihre Ämter nieder und der Kollege Winkler übernahm die Vereinsführung zusammen mit den Kollegen Schmidt als 2. Vorsitzenden und dem Kollegen Krampe als Kassierer. Den vorgenannten folgten die Kollegen Rupprecht und Müller und ab 1935 hatte der Kollege Jäger die Vereinsleitung.
Inzwischen war der Verein auf 1.000 Mitglieder angewachsen. Es entstanden die Frontkämpfer- die Arbeitslosen- und die Kinderreichensiedlung. Der Name unseres Vereins – Siedlerverein RUDOW – mußte auf Anordnung der Provinzgrup­pe geändert werden. Siedler, so hieß es in der Begründung, sind diejenigen, die ihr Haus auf Erbpachtland stehen haben, während die Mitglieder unseres Vereins Eigentümer der Grundstücke waren. So entstand am 1. Januar 1936 der neue Name Eigenheim- und Grundbesitzer RUDOW e.V.
Der Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 brachte eine gewisse Lähmung des Vereinslebens mit sich. Von 1940 an wurden durch die Provinzgruppe Zuteilungen von Siedlerbedarf für die Mitglieder des Vereins überwiesen. Unter anderem für Spiritus, Petroleum, Kohlenscheine usw., Farben, Karbolineum und Einweckgläser. Bombengeschädigte wurden bevorzugt. Eigene positive Arbeit wurde nicht mehr geleistet, sondern nur nach Anweisung der Provinzgruppe gehandelt.
Im April 1944 wurde dem Kollegen Jäger die Vereinsführung von der Provinzgruppe entzogen und der Kollege Venz dazu berufen.
übertragen von Dieter Rentz                                                                       

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Chr 11 2018  - Fortsetzung der Chronik - 3. Folge

Die Chronik (03)
Die Frauengruppe sammelte bei den Siedlern Obst für Lazarette und betreute Verwundete.
Von nun an wurden Vorträge gehalten und Anweisungen erteilt über den Bau von Behelfshei­men und das Verhalten bei Fliegerangriffen. Sammlungen von Obst für die Lazarette sowie die Betreuung von Verwundeten durch die Frauengruppe unter der Leitung von Frau Gütermann wurden durchgeführt. Versuche jedoch, die Frauengruppe der NS-Frauenschaft einzuverleiben, scheiterten, da unsere Frauen auf der dazu einberufenen Versammlung nicht erschienen.
Am 2. Dezember 1943 gab es als Folge eines Luftangriffs 12 Tote, mehrere abgebrannte Häuser und leichtere Brandschäden an der Kirche, Pfarrei und Gemeindehaus. Am 24. April 1945 wurde bei einem erneuten Fliegerangriff auf Rudow durch eine Luftmine Kirche und Pfarrhaus zerstört.
Das Jahr 1945 brachte den totalen Zusammen­bruch und das Chaos. Am 24. April 1945 marschierte die Sowjetarmee von Schönefeld aus in Rudow ein. Auf dem Feld zwischen dem Zwickauer Damm, Neuköllner Straße, Fritz-Erler-Allee und den Gleisen der Neukölln-Mittenwalder-Eisenbahn war eine deutsche Flakstellung stationiert. Als die deutsche Wehrmacht abzog, machte sie alle Geschütze unbrauchbar, damit diese von der Sowjetarmee nicht benutzt werden konnten. Für Rudow war der Krieg am 24. April 1945 beendet, aber der Hunger blieb. Woher aber bekam man jetzt die benötigten Pflanzen, Samen und Dünger? Wieder musste aus dem Nichts aufgebaut werden. Auf Wunsch einer Anzahl Mitglieder sollte der Verein weiterleben und so übernahm der Kollege Max Gaertych die schwere Aufgabe, den Verein zu reorganisieren und aufzubauen.
In einer von ihm einberufenen und von der Russischen Kommandantur genehmigten Versammlung wurde ein neuer Vorstand bestehend aus den Kollegen Gaertych, 1. Vorsitzender, Titze, 2. Vorsitzender, Oskar Müller, Kassierer und in einer Nachwahl Kollege Hühns, Schriftführer, nach  demokratischem Vereinsrecht gewählt. Auch die meisten Gruppenleiter fanden sich wieder zur Mitarbeit bereit, so dass die Beiträge der Mitglieder kassiert werden konnten.
Und wieder nahm der Vorstand Verhandlungen auf, um bessere Verkehrsverbindungen zu erreichen, denn die Straßenbahnlinie 47 fuhr von der zerstörten Buschkrugbrücke bis zur "Rudower Spinne" und zurück und die Linie 147 fuhr nach Schönefeld. Wer jedoch mit der Straßenbahn 47 in Rudow ankam, musste bis Schönefeld noch einmal bezahlen. Kollege Gaertych erreichte, dass die Linie 147 eingezogen, ein Pendelverkehr nach Schönefeld eingerichtet wurde und das Umsteigen kostenfrei war. Später wurde erreicht, dass die Linie 47 über die Blaschkoallee, Hermannstraße und Silbersteinstraße zum Bahnhof Neukölln geführt wurde.
Durch den vollständigen Ausfall der Straßen­beleuchtung häuften sich die Diebstähle bei den Siedlern und der Vorstand erreichte, dass die Siedler eine Notbeleuchtung anlegen durften, für die der Strom von der BEWAG geliefert und mit der Stadt verrechnet wurde.
Auch in anderer Hinsicht war der Verein sehr aktiv. Die Frauengruppe formierte sich aufs neue. Schon 1946 wurden für das Krankenhaus Neukölln über 46 Zentner Obst und Gemüse gespendet. Gespendetes eingewecktes Obst wurde den Patienten im Neuköllner Krankenhaus durch unsere Frauen selbst überreicht. Das Jahr 1948 war ein Rekordjahr an Spenden. Über 75 Zentner Obst und Gemüse wurden gesammelt, wovon 25 Zentner dem Altersheim zur Verfügung gestellt wurden und ca. 50 Zentner im Beisein des stellvertretenden Bezirksbürgermeister Leiner und Bezirksstadtrat Raddatz auf dem Karl-Marx-Platz an alte Rentner verteilt wurden. Die Bezirksgrup­pe beschaffte Saatkartoffeln und verteilte sie an die Vereinsmitglieder. Die Anregung der Kollegen Gaertych und Scholz, ein Grundstück für den Verein zu erwerben, wurde vorerst vom engeren Vorstand abgelehnt.
Übertragen von Dieter Rentz (wird monatlich fortgesetzt)

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Chr 12 2018  - Fortsetzung der Chronik - 4. Folge

Die Chronik (04)
Unter amerikanischer Zensur entstand ein Mitteilungsblatt für die Eigenheimer.
Ein Mitteilungsblatt wurde geschaffen, um den Mitgliedern das Vereinsgeschehen zu übermitteln. Dieses Mitteilungsblatt unterlag aber der amerikanischen Zensur. Der Kopf des Blattes musste geändert werden: »Eigenheim- und Grundbesitzer Rudow e.V. gibt seinen Mitgliedern bekannt«. Ferner musste jede Ausgabe in deutscher und englischer Sprache vor dem Drucken der amerikanischen Kommandantur zur Genehmigung vorgelegt werden. Jede Versammlung musste angemeldet, sowie Redner und Vortragsthemen in Deutsch und Englisch angegeben werden. Neue Satzungen wurden beschlossen und der Verein schloss sich am 1. Juli 1946 offiziell dem »Zentralverband der Kleingärtner, Siedler und bodennutzenden Grundbesitzer« an. Hier wurde vom Vorstand unserem Verein Rat und Hilfe zuteil und Wege gewiesen, um unseren Mitgliedern noch besser helfen zu können. Über den Zentralverband wurde eine Kollektiv-Haftpflichtversicherung für alle Mitglieder des Vereins vor und auf ihrem Grundstück gegenüber Dritten abgeschlossen.
Als in den Jahren 1920-1930 die »Terraingesellschaft am Teltow-Canal Rudow-Johannisthal AG« und verschiedene Rudower Bauern ihre Ländereien und Äcker parzellierten und verkauften, hat der damalige Magistrat jedes Grundstück mit einer Hypothek von 1.000 bis 1.500 Mark belegt. Diese Gelder wurden monatlich mit 6 bis 8 Mark in den Pflasterkassen abgezahlt und galten als Fond für spätere Straßenbaukosten.
Aus den 14 Mitgliedergruppen des Vereins bildeten sich 14 Pflasterkassen. Jede Pflasterkasse wurde ein eingetragener Verein. Als Hitler 1933 an die Macht kam, verbot er die Pflasterkassen und kassierte die vorhandenen Gelder.
Durch dauernde Vorstellungen und Nachfragen beim Zentralverband der Eigenheimer und Siedler über den Verbleib der Gelder aus den Pflasterkassen wurde der Zentralverband beim Senat von Berlin vorstellig, die Wiederbelebung der Pflasterkassen zu erlauben.
Die Wiederzulassung der Pflasterkassenvereine wurde erst wieder im Jahre 1947 erreicht.
1947 beschaffte und verteilte der Verein Saatgut und Kunstdünger für die Mitglieder.
Im März 1947 hatte der Verein bereits über 2.000 Mitglieder. Die Beschaffung und Verteilung von Saatgut und Kunstdünger sowie Sammlungen von Spenden für ein Altenheim wurden auch in der Folgezeit durchgeführt und die Zahl der Mitglieder stieg bis Ende 1947 auf 2.200.
Konrad Ehrke hatte auch wieder mit den Baum­schnittlehrgängen an Sonntagvormittagen begonnen, um die Mitglieder das Selbstschneiden der Bäume zu lehren. Durch Vermittlung des Zentralverbandes konnten Obstgehölze für 1.400,00 Reichsmark (RM) und gegen Bezahlung weiterverkauft werden; desgleichen auch Saatgut. Vorstellungen beim Landes-Wirtschaftsamt hatten Erfolg, so dass der Bezirksgruppe und dem Verein 8 Loren Kali, Thomasmehl, amerikanischer und anderer Kopfdünger zugewiesen wurde. Die Verantwortung für die Verteilung, die nur an Siedler vorgenommen werden durfte, übernahm Kollege Gaertych.
Ende August 1947 wurde wieder einmal eine Sammlung von Obst und Gemüse einer Fleischkarte (25 g) und einer Brotkarte (50 g) von den Gruppenleitern durchgeführt. Mit dieser Sammlung wurde für 200 Altersheim-Insassen (Flüchtlinge, alte Männer und Frauen) ein froher Sonntag bereitet. 500 l Essen (Grüne Bohnen und Mohrrüben) wurden von den Frauen zubereitet. Kartoffeln wurden von den Bauern gespendet, 23 Blechkuchen vom Bäcker Grosswend gebacken, die Äpfel von den Frauen geschält und aufgelegt. Kaffee besorgte das Altersheim, Fleisch lieferte Fleischermeister Manske. Gekocht wurde das Essen im Altersheim vom Sohn der Frau Schröder (gelernter Koch) und alles durch den Kollegen Dornbusch per Auto zum Kasino der Firma Wintershall Werk Fusor geschafft. In Gegenwart der Herren Bürgermeister Leinert, Stadtrat Raddatz, Schlipf und dem Verbandsvorsitzenden Naulin erlebten auch 70 alte Rentner des Vereins frohe Stunden mit Musik und Kabarett. Am Schluss der Feier erhielt jeder (außer unseren Rentnern) einen Teller voll mit Obst geschenkt. Außerdem wurden dem Altersheim 25 Zentner Gemüse und Obst zur Verfügung gestellt. Der Frauengruppe wurde ein Tischbanner gestiftet.
Die Beschaffung von Zaunstielen und der Weiterverkauf der noch lagernden Düngemittel wurde fortgesetzt. Die Kartoffellieferungen durch das Bezirksamt waren ein organisatorischer Misserfolg. Von 1.200 eingetragenen Mitgliedern bekamen nur etwa 700 Mitglieder die zugeteilte Menge, da der Winterverkauf vom Ernährungsamt eingestellt wurde.
Am 26. März 1948 übernahm Kollege Titze die Vereinsführung, sein Stellvertreter wurde Erich Schwarz. Mit der Normalisierung der Verhältnisse entfiel die Verteilung von Siedlerbedarf durch den Verein und damit sank auch die Zahl der Mitglieder wieder rapide auf 1.500 ab.
Im September 1948 konnte abermals eine Wohl­tätigkeitsveranstaltung im Altersheim veranstaltet werden. Eine Ausstellung des Zentralverbandes regte unseren Kollegen Mierke im September 1949 zur Gestaltung einer Ausstellung »Rudower Grüne Tage« im Juliuspark an. Eine Ausstellung für Rudow, an der sich auch die Geschäftsleute beteiligten, die weit über Rudows Grenzen, ja ganz Berlin Aufsehen erregte.
Durch die Teilnahme des Bürgermeisters und vielen Behördenvertretern bei der Eröffnung, wo auch der Vorsitzende des Zentralverbandes von Berlin, Herr Naulin, und viele Vereinsvertreter zugegen waren, wurde dem Verein viel Achtung und Dank zuteil. Es war ein voller Erfolg. Das Ansehen des Vereins stieg durch die vorbildliche Leitung unseres Kollegen Mierke.
Im November 1949 erzielte am selben Ort eine »Allgemeine Kleintierschau« der Kleintierzüch­tergruppe des Vereins eine Revolution bei den Kleintierzuchtvereinen durch den niedrigen Käfigpreis.

Übertragen von Dieter Rentz (wird monatlich fortgesetzt)

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Chr 01 2019 - Fortsetzung der Chronik – 5. Folge

Die Chronik (05)      
Wegen der Veranlagung zur Grundsteuer wurde eine Rechtberatungsstelle eingerichtet.
Im selben Monat wurde wegen der Einführung der Baunotabgabe und wegen der Veranlagungen zur Grundsteuer die Einrichtung einer Rechtsberatungsstelle notwendig. Diese Sprechstunde, die im Lokal von Scheffler an der Rudower Grenze abgehalten wurde, leitete der Kollege Max Gaertych; ein Rechtsanwalt des Zentralverbandes zur Beratung und zum Ausfüllen der Formulare stand zur Verfügung.
Um den Prozess Pflasterkassen gegen den Magistrat wirksam durchführen zu können, hat sich der Verein an den Prozesskosten beteiligt.
Im Juni 1950 wurden neue Wasseranschlüsse von den Wasserwerken erwirkt. Im Herbst 1950 ergab eine Obst- und Gemüseversammlung des Vereins eine Menge von 75 Zentnern, davon wurden 25 Zentner dem Altersheim zur Verfügung gestellt und 50 Zentner durch den Vorstand unter Aufsicht und vorheriger Absprache mit Bürger­meister Leiner und Stadtrat Raddatz an alte Rentner aus Neukölln an einem Sonntagvormittag auf dem Karl-Marx-Platz verteilt.

1950 umfasste Rudow 25 % der Fläche Neuköllns.
Jetzt ist der Ortsteil Rudow 1.255 ha groß und umfasst damit rd. ¼ der Fläche des Verwaltungs­bezirks Neukölln. Am 30. April 1950 hatte Rudow 17.282 Einwohner. Dies bedeutet gegenüber 1919 eine 12fache Steigerung. Es wohnen jetzt auf 1 ha 13,7 Personen. Im Oktober wurde, wieder unter der Leitung des Kollegen Mierke, zum zweiten Male die Ausstellung »Rudows Grüne Tage« gestaltet. Sie war noch größer und schöner als die erste Veranstaltung, zog Besucher aus ganz Berlin an und brachte wiederum Anerkennung für den Verein und den Kollegen Mierke.
Im Dezember 1950 wurde das Jugendorchester unter der Leitung des Kollegen Rektor Wachhholz vom Verein übernommen und kurzfristig unterstützt. Jetzt hatte der Verein 1.600 Mitglieder.
Anfang 1951 kam es zur Gründung einer Schaf- und Ziegenzuchtgruppe.
Das Jahr 1951 war auch das Jubiläumsjahr des Vereins. 30 Jahre sind vergangen, seitdem ein kleiner Kreis von Siedlern die Initiative ergriff und den Grundstein unseres heutigen großen Vereins legte. An zwei Tagen, am 12. und 13. Mai wurde dieses Bestehen mit einem großartigen Festprogramm, verbunden mit einer Spende an das Sozialamt durchgeführt. Hauptorganisator war wieder unser Karl Mierke. 100 alten und bedürftigen Mitgliedern wurde beim Besuch der Veranstaltung eine Spende überreicht.
Und zum dritten Male führte Kollege Mierke im Juliuspark »Rudows Grüne Tage« erfolgreich durch.
Im Jahre 1952 trat eine Veränderung in der Besetzung des Vorstandes ein, indem der Kollege Gaertych zum 2. Schriftführer gewählt und die Gestaltung des Mitteilungsblattes den Kollegen Kügler und Gaertych übertragen wurde.
1948 war die Währungsreform. Für »Reichs­mark«-Bestände erhielt man nur noch 1/10 in der neuen Währung »Deutsche Mark«. Die angesparten »Reichsmark«-Gelder in den Pflasterkassenvereinen sollten auch 1:10 abgewertet werden. Dagegen wurde 1948 mit dem »Zentralverband der Kleingärtner / Siedler und bodennutzenden Grundbesitzer« ein Prozess angestrengt, der in unserem Verein vom Kollegen Willi Wolf geführt wurde.
Dieser Prozess wurde im Februar 1952 gewonnen. Unser Verein konnte bekannt geben, dass der Bundesgerichtshof entschieden hatte, die eingezahlten Pflasterkassenbeiträge auf die Anliegerbeiträge 1:1 anzurechnen. Jedes Pflasterkassenmitglied bekam eine Endrechnung, die beim Ausbau der Straße mit den Erschließungskosten verrechnet wurde oder auch heute noch wird.
In der Folgezeit beantragte der Verein beim Bezirksamt Neukölln den Bau einer öffentlichen Bedürfnisanstalt an der Rudower Spinne (U-Bahnhof Rudow), und   gleichzeitig bei der Bundespost die Errichtung von Telefonzellen, die aber nach mehreren Verhandlungen abgelehnt wurden.
Anträge bei der BVG, die Straßenbahnlinie 47 über den Hermannplatz bis zum Oranienplatz und die Linie 3 über den Hermannplatz bis nach Rudow (Rudower Spinne) zu verlängern, hatten keinen Erfolg. Auch wegen des Baus von Radfahrwegen und besserer Straßenbeleuchtung wurde der Verein vorstellig; beides wurde zugesagt.
Übertragen von Dieter Rentz (wird monatlich fortgesetzt)

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Chr 02 2019 - Fortsetzung der Chronik – 6. Folge

Die Chronik (06)      
Vom Kanarienvogel bis zur Ziege – erste Kleintierzüchterausstellung der Siedler.
Die Kleintierzüchtergruppe unter dem Vorsitz des Kollegen Karl Mierke entschloss sich, eine »Kleintierschau« zu veranstalten, die die »Rudower Grüne Tage« ablösen sollte. Zu dieser Schau, die alles umfasste, was ein Siedler züchten kann – vom Kanarienvogel und Wellensittich über Tauben und Hühner bis zum Nerz, Kaninchen, Schwein, Schaf und zur Ziege – brachten Züchter aus ganz Berlin ihre Tiere. Edelste Rassen waren vertreten und brachten ihren Züchtern schöne Preise. Anerkennung und Lob kamen auch vom Tierzuchtamt. Besonders stolz konnte der Kollege Mierke sein, der sich zum Ziel gesetzt hatte, zu beweisen, dass solch eine Veranstaltung auch ohne eine Käfiggebühr von 3,00 bis 5,00 DM durchzuführen war. Zu den Ausstellern gehörte auch der Berliner Zoo mit einigen schönen Tieren.
Von den Frauen wurde eine Modenschau mit selbstgefertigten Pelzmänteln, Jacken, Westen und Kleidungsstücken aus selbstgesponnener Wolle von Schaf und Angorakaninchen veranstaltet. Im Jahr 1953 machte die Wiederinstandsetzung der vorhandenen Straßenlaternen weitere Fortschritte.
Im Vorstand gab es einige Veränderungen. Für den ausgeschiedenen Kollegen Erich Schwarz wurde Kollege Max Gaertych zum 2. Vorsitzenden und Otto Lehmann zum 2. Schriftführer gewählt.
Am 14. September 1953 wurde endlich der entscheidende Beschluss gefasst, das Grundstück Neuköllner Straße 297 vom Kollegen Giese zu erwerben.
Auch in diesem Jahr veranstaltete die Kleintier­züchter-Gruppe eine Ausstellung, wiederum mit großem Erfolg. Die Frauen der Kleintierzüchter, angeregt durch eine Verbandsmodenschau, gründeten im April 1954 eine Selbstverwerter-Gruppe unter der Leitung von Frau Suschke, um selber die Felle der gezüchteten Tiere zu verarbeiten.
Als zu Beginn des Jahres 1954 der 1. Vorsitzende des Vereins, Kollege Titze, nach sechsjähriger Vorstandstätigkeit zurücktrat, wurde in der Jahreshauptversammlung der Kollege Walter Kober zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die anderen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. 2. Vorsitzender wurde Kollege Max Gaertych, 1. Schriftführer Kollege Alois Kügler, 1. Kassierer Kollege Karl Mierke, 2. Schriftführer Kollege Otto Lehmann und 2. Kassiererin Hildegard Krüger. Kollege Walter Kober, der bis hierhin den Vorsitz in der Pflasterkasse 5 innehatte, war schon des Öfteren mit dem Tiefbauamt in Verbindung getreten und nahm nun als 1. Vorsitzender auch den Kontakt mit den Bezirksamtsmitgliedern auf. Es gelang ihm in zähen Verhandlungen, die Sanierung der öffentlichen Straßenbeleuchtung in Rudow voranzutreiben, so dass Ende 1954 der Vorkriegszustand erreicht war.
Jetzt, da das Grundstück erworben war, wurde auch der Plan zum Bau eines Vereinshauses akut. Nach dem Entwurf des Kollegen Karl Mierke fertigte der Kollege Senske für den Verein kostenlos eine vorschriftsmäßige Zeichnung an. Die mit großem Erfolg im Jahre 1954 durchgeführte 21. Kleintierschau (3.000 Besucher), an der sich auch der Rudower Kleintierzuchtverein beteiligte, sollte vorläufig die letzte Veranstaltung dieser Art sein. Die Baupolizei sperrte den »Juliuspark« als nicht mehr benutzbar. Dadurch ging dem Verein nicht nur die Ausstellungsmöglichkeit, sondern auch der große Versammlungsraum verloren.
Jetzt, da das Grundstück erworben war, wurde auch der Plan zum Bau eines Vereinshauses akut. Nach dem Entwurf des Kollegen Karl Mierke fertigte der Kollege Senske für den Verein kostenlos eine vorschriftsmäßige Zeichnung an. Die mit großem Erfolg im Jahre 1954 durchgeführte 21. Kleintierschau (3.000 Besucher), an der sich auch der Rudower Kleintierzuchtverein beteiligte, sollte vorläufig die letzte Veranstaltung dieser Art sein. Die Baupolizei sperrte den »Juliuspark« als nicht mehr benutzbar. Dadurch ging dem Verein nicht nur die Ausstellungsmöglichkeit, sondern auch der große Versammlungsraum verloren.
Die Selbstverwertergruppe rührte sich. Frau Damerau als 1. Vorsitzende und Frau Kumm als 1. Kassiererin schufen mit den Frauen der Gruppe aus gespendeten Fellen, Stoffen etc. Mäntel, Jacken und Mützen und stellten diese Sachen dem Jugendamt für Heim- und Waisenkinder zur Verfügung. Die Sammlung von eingewecktem Obst für das Sozialamt wurde eingestellt.
Das Jugendorchester spielte vor den Kranken im Städtischen Krankenhaus Neukölln und zum 50-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr in Rudow.

Zum Beginn des Jahres 1955 gelang es dem Kollegen Kober, das Bezirksamt zu einer Besichtigung der Straßen in Rudow zu bewegen, und zwar an einem Tag, an dem die Straßen schwammen, um zu zeigen, wie dringend nötig der Ausbau dieser Straßen war.

Übertragen von Dieter Rentz (wird monatlich fortgesetzt)

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Chr 03 2019 - Fortsetzung der Chronik – 7. Folge

Die Chronik (07)      
40.000 Steine für das Vereinshaus gekauft.
Am 14. Februar 1955 wurden 40.000 Steine für den Bau des Vereinshauses gekauft. Unter der Leitung des Kollegen Kumm wurde ein Arbeitseinsatz von Mitgliedern organisiert und mit den Ausschachtungs- und Betonarbeiten begonnen. Bereits am 7. August konnte im Beisein von Bezirksbürgermeister Exner und der Mitbegründer des Vereins Müller, Schadebach und Wutzky der Grundstein gelegt werden. Es wurde beschlossen, zur finanziellen Unterstützung des Bauvorhabens sogenannte Bauanteilscheine im Wert von 1,00 DM auszugeben.
Ein langgehegter Wunsch der Rudower nach einer Busverbindung wurde am 1. Oktober 1955 durch den Einsatz der Buslinie A 52 von der Kanalstraße nach Marienfelde erfüllt. Nun hatte Rudow die Straßenbahnlinie 47 und die Buslinie A 52.
Dank der Unterstützung durch die Mitglieder Herzig (Baustoffhandel), Stübert (Bautischlerei) und Hoffmann (Baustoffhandel) konnte am 22. Oktober 1955 das Richtfest für den Neubau des Vereinshauses stattfinden. Als Ehrengäste waren die Bezirksstadträte Zerndt und Zingel­mann sowie Bezirksverordnetenvorsteher Großmann erschienen. Nach einer Ansprache von Bezirksstadtrat Zerndt und dem Richtspruch von Zimmermeister Stübert dankte Kollege Kober allen Gästen für das Interesse, das sie dem - Eigenheim- und Grundbesitzer RUDOW e.V.- erwiesen hatten. Anschließend fand ein Eisbeinessen im Lokal Richter in der Prierosser Straße statt. Zum Abschluss des Jahres wurde als Weihnachtsgabe für alle Mitarbeiter ein Wurstessen im Lokal Zimdarse, Straße Alt-Rudow gegenüber von Reichelt, durchgeführt.
Nach Fertigstellung der Licht- und Heizungs­anlagen in den Kellerräumen des Hauses wurden Sprechstunden für Mitglieder ab 3. Januar 1956 im Vereinshaus durchgeführt. Vorher befand sich die Geschäftsstelle im Juliuspark / Bahnhofstraße 1 (heute Groß-Ziethener Chaussee).
Bauanteilscheine zum Ausbau des Vereins­hauses wurden mit 5 % Verzinsung angeboten.
Auf Grund eines Beschlusses des erweiterten Vorstandes und nach Zustimmung durch die Jahreshauptversammlung wurden nunmehr Bauanteilscheine im Wert von 10,00 DM mit 5 % Verzinsung in 7 Serien A-G angeboten, um den weiteren Ausbau des Vereinshauses vorantreiben zu können.
Durch den Austritt des Vereins aus der »Bezirksgruppe Neukölln der Siedler und Eigenheim­besitzer« wurde der »Eigenheim- und Grund­besitzer RUDOW e.V.« selbständige Bezirks­gruppe im Zentralverband. Durch dauernde Vorsprache beim Bezirksamt Neukölln erreichte der Kollege Kober, dass der Verein bei örtlichen Vorhaben, wie dem Ausbau von Straßen und deren Beleuchtung, gehört wurde. Bezirksbürger­meister Exner erkannte die Wichtigkeit der Tätigkeit der Mitarbeiter der Vereine an, weil er, wie er sagte, nicht so viele Außenbeamte zur Verfügung habe, um alles wissen und überprüfen zu können.
Die Schneeschmelze Ende 1955 und Anfang 1956, die zu Überschwemmungen in der Bahnhofstraße führte und das Ansteigen des Grundwassers, veranlasste den Kollegen Kober, sich beim Bezirksamt Neukölln für die geschädigten Mitglieder einzusetzen. Auch in der Mitglieder­versammlung am 12. Mai 1956 wurde zu dem Problem Stellung genommen. Bezirksbürger­meister Exner, Baurat Schwersenz vom Tiefbau­amt und Regierungsrat Wattke vom Wasserbauamt des Senats sprachen zu dem Problem. In weiteren Mitgliederversammlungen wurden Vorträge über Testamente oder von Dr. Nordmeier vom Zentralverband über Vermögens­abgabe und Hypothekengewinnabgabe gehalten.
Im Herbst 1956 sollte in der Gruppe 8 die elektrische Beleuchtung in Angriff genommen werden. Um gegenüber dem Bezirksamt Neukölln die Interessen der Rudower Bürger besser vortragen und vertreten zu können, rief der Kollege Kober zusammen mit dem 1. Vorsitzenden des »Reichsbundes der Kriegsopfer«, Kollege Gustav Schwarz, zur Gründung einer Interessengemeinschaft aller Rudower Vereine auf, um beim Bezirksamt auf gemeinsamer Basis die örtlichen Verhältnisse zu behandeln.

Übertragen von Dieter Rentz (wird monatlich fortgesetzt)

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Chr 04 2019 - Fortsetzung der Chronik – 8. Folge

Die Chronik (08)      
Initiative zu kulturellen Angeboten. Grundwasserprobleme im Blumenviertel. Vereinshaus geht seiner Fertigstellung entgegen.
Aber der Verein bemühte sich nicht nur um den Straßenbau, um bessere öffentliche Straßenbeleuchtung, Verkehrsverbindungen usw.. Durch Gewinnung des »Künstlernoteinsatzes« gelang es, dass allmonatlich für ein geringes Entgelt eine Matinee im Kino Mars (das gegenüber der Sparkasse in Alt-Rudow stand) für Rentner, Schwerbeschädigte und Erwerbslose durchgeführt werden durfte. Die Aufstellung der berechtigten Besucher musste dem Verein mitgeteilt werden. Diese Matineen mussten später wegen der zu kleinen Bühne im »Mars« in den Saalbau Neukölln verlegt werden. es verdient in diesem Zusammenhang erwähnt zu werden, dass der Kollege Kober durch Verhandlungen mit der BVG erreichte, dass am Tage der Veranstaltungen im Saalbau für die Besucher ein »Einsetzer« der Straßenbahn um 22.00 Uhr ab Hermannplatz nach Rudow fuhr.
Um dem Übel des Be- und Zerfahrens der Geh­wege entgegenzutreten, erwirkte der Kollege Kober, dass Pfähle von 0,90 m Höhe in 1,50 m Entfernung vom Zaun der Anlieger aufgestellt werden durften.
Zur Feststellung der Grundwasserschäden wurden Formulare an die Geschädigten ausgegeben, die dann zu weiteren Verhand­lungen des Kollegen Kober und des Zentral­verbandes mit dem Bezirksamt und dem Senat führten. Der Ausbau des Vereinshauses ging inzwischen, besonders durch den uneigen­nützigen Einsatz des Kollegen Mierke und seiner Helfer, gut voran, so dass ab Januar 1957 die Sprechstunde für Mitglieder aus dem Keller in das Erdgeschoß verlegt werden konnte.
Das Jahr 1956 war für den ehrenamtlich arbeiten­den Vorstand ein schweres Jahr, denn neben der Grundwasserprobleme musste ja auch der Bau des Vereinshauses weitergehen. In seinem Jahresbericht für das Jahr 1956 stattete Kollege Kober der Feuerwehr im Namen des Vereins seinen Dank für die Unterstützung in der Grund­wassernot ab. Sie pumpte weit über 350 Keller nicht nur einmal, sondern mehrmals aus. Vom Tiefbauamt wurde die Be- und Entwässerungs­anlage für den Fuchsien-, Orchideen- und Mohn­weg vorgesehen.

Übertragen von Dieter Rentz (wird monatlich fortgesetzt)